Archiv des Autors

Durch die Wand – Filmkritik

Eines vorweg: Dieser Titel ist in der deutschen Veröffentlichung etwas unglücklich gewählt, denn im amerikanischen Original heißt die Kletter-Dokumentation THE DAWN WALL. Dies ist nämlich der Name des Felssegments im Yosemite-Nationalpark, Kalifornien. Die „Dawn Wall“ ist der Abschnitt des El Capitan, einem fast 1000 Meter hohen Granitmassiv in einer beeindruckenden grünen Schlucht, auf welchen bei Tagesanbruch zuerst das Sonnenlicht fällt. Um sich die Morgensonne ins Gesicht scheinen zu lassen, will Tommy Caldwell die Dawn Wall als Erster frei klettern. Das bedeutet, diese Wand mit der Struktur einer Raufasertape nur mit Hilfe seines Körpers hinaufzuklettern ohne Leitern und ohne Hochziehen am Seil. Das mitgebrachte Material dient ausschließlich zur Sicherung des eigenen Lebens. Aber bis man sich diese extrem schwere und ausdauernde Route als abgehakt eintragen kann, ist es ein langer Weg voller Zweifel, hartem Training und Schicksalsschlägen.

Durch die Wand 2018 Film Review
Kevin Jorgeson in der schwierigsten Seillänge (Nr. 15: 5.14d | 9a | 11) // © Photo Corey Rich

Inhalt

Die Dokumentation DURCH DIE WAND befasst sich nicht nur mit der Begehung einer der schwersten Kletterrouten der Welt, sondern auch mit dem Initiator, der es sich in den Kopf gesetzt hat, diese zu klettern: Tommy Caldwell. In seiner Jugend mit viel Talent gesegnet, einer starken Vaterfigur, die ihm das Klettern näherbringt und wenig Interesse an schulischem Lernstoff ausgestattet, reißt Tommy Mitte der 90er Jahre eine schwere Route nach der anderen nieder. In dieser Zeit trifft er auf sein weibliches Pendant: Beth Rodden. Beide verlieben sich ineinander und verbringen ihre komplette Zeit mit dem Klettern. Doch das Schicksal macht eine Expedition in Kirgisistan zu einem Alptraum und beide müssen sich in jungen Jahren mit Ängsten plagen, die nicht jeder überwinden kann. Für Tommy sind die Wände des El Capitan seine Art der Therapie. Nachdem er und Beth getrennte Wege gehen, versucht er seine Emotionen in ein Projekt zu stecken: Als Erster die DAWN WALL frei zu klettern. Zu jener Zeit als unmöglich bezeichnet, sucht Tommy die Risse, Spalten und Strukturen in der extrem hohen Wand, um sie zu einer Route zu verbinden. Ein Projekt über viele Jahre, welches ihm aber nur mit dem richtigen Kletterpartner gelingen kann: Kevin Jorgeson.

Durch die Wand 2018 Film Review
Tommy Caldwell, January 2015 // © Photo: Bligh Gillies of Corey Rich Productions

Feuchte Hände garantiert

DURCH DIE WAND gelingt es für beide Zielgruppen interessant zu bleiben. Für den Kletterer, der immer wieder über die Jahre von dem Projekt gehört, Kurzfilme auf Outdoor-Filmfestivals gesehen hat und von dieser schönsten Art seine Freizeit zu verbringen, besessen ist. Aber auch für jene, die mit diesem Sport noch nicht verheiratet sind, vielleicht ein paar Mal in der Kletterhalle waren oder sich für viele Natursportarten begeistern können, bietet diese Dokumentation 100 spannende und ergreifende Filmminuten. Vielleicht driftet der Inhalt etwas von dieser extrem schweren Kletterroute zu sehr auf die Biografie von Tommy Caldwell ab. Sein Leben ist jedoch so ereignisreich, dass man dann doch ins Staunen kommt und begreift, was es bedeutet mit voller Leidenschaft Profikletterer zu sein.

Durch die Wand 2018 Film Review
Kevin Jorgeson im 366 Meter hohem Portaledge. Nach 19 Tagen an der Wand konnten Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson “The Dawn Wall” (VI 5.14d) als Erste frei klettern, January 14, 2015 // © Photo Corey Rich

Sein Kletterpartner Kevin Jorgeson kommt hier etwas zu kurz, was aber auch in Ordnung ist, denn nicht jeder möchte sein Privatleben den Medien präsentieren. Der Regisseur Josh Lowell schafft sogar eine medienkritische Perspektive zum Thema. Dieses absurde, mediale Interesse der vielen Fernsehsender am Projekt, welches durch einen New-York-Times-Artikel losgetreten wurde, bekommt ein solches Level, dass man erkennt, wie wenig sich Reporter für die eigentliche Thematik interessieren. Wenn nach einem wilden Nachrichtenzusammenschnitt voller oberflächlicher Moderatorensprüche, die beiden Jungs wieder in ihren Zelten in 500 Meter Höhe sitzen, die Aussicht genießen, bekommt man einen Hauch davon mit, warum sie es tun. Tommy sagt in einem solchen Moment ganz treffend: „Warum kann man nicht für immer hierbleiben? Da draußen wird nur alles wieder so kompliziert.“

Durch die Wand 2018 Film Review
Medienrummel von El Capitain, January 2015 // © Bligh Gillies of Corey Rich Productions

Nicht direkt ein Kletterfilm

Kletterern wird Josh Lowell mit seinen Filmen wie KING LINES und PROGRESSION ein Begriff sein. Er selbst ist auch Kletterer, kennt die Top-Athleten und bringt mit viel Gefühl die Passion für diesen Sport in seine Filme. Bei DURCH DIE WAND ist es ihm nicht mit seinem bekannten Sport-Video-Stil gelungen, sondern mit einer guten Geschichte, die nur das Leben so schreiben kann. Deswegen fährt er mit seiner visuellen Kreativität in dieser Dokumentation etwas zurück, was er leider auch bei seinen sonst immer perfekten Soundtracks tut, und lässt Platz für die Felswände von Yosemite.

Durch die Wand 2018 Film Review
Regisseur und Kamermann Josh Lowell bei der Arbeit // © Photo: Corey Rich

Welch Aufwand hinter dieser Filmproduktion steckt, die beiden in der Wand zu filmen, den gelingenden Versuch auch aufzunehmen und zudem noch ein paar zwischenmenschliche Momente zu erwischen. Und das alles in lebensgefährlicher Höhe, nur an Seilen gesichert und mit dem windigen Winter von Kalifornien im Rücken. Da kann man nur vor Respekt seinen Hut vor dieser Leistung auch hinter der Kamera ziehen. Josh Lowell ist es gelungen durchzuhalten und motiviert dabeizubleiben, auch wenn er Tommy und Kevin immer wieder jedes Jahr beim Scheitern begleitete.

Durch die Wand 2018 Film Review
The Dawn Wall, Yosemite National Park, California, January 2015, © Brett Lowell of Big UP Productions

Fazit

Ein ehrfürchtiges Filmprojekt über zwei Kletterer, die eine der schwersten Klettertouren der Welt bezwingen. Mit viel Einfühlvermögen lernt man zwei Menschen kennen, die ihre Leidenschaft zu ihrem Leben gemacht haben und eine Lebensweisheit wird für jeden, der sich auf DURCH DIE WAND einlässt, auch noch geboten: Was nützt einem der größte Triumph, wenn man ihn nur allein feiern kann?

EOhd0Smy

EINE REISE IN PASTELL UND NEON: “TAKE ME SOMEWHERE NICE” VON ENA SENDIJAREVIĆ

Stille, dann Techno. Die Vorhänge, die uns vor Augen geführt werden, werden sich nie öffnen. Es war auch nie eine Bühne da. Alma (Sara Luna Zorić) bereitet sich auf ihren Aufenthalt in Bosnien vor. Sie möchte ihren kranken Vater besuchen, einer von vielen unbekannten Menschen die ihr begegnen werden.

Ena Sendijarevic‘ Debütfilm TAKE ME SOMEWHERE NICE portraitiert vor allem eins: Ein Bosnien, das in dieser Form selten porträtiert wurde, weder optisch noch inhaltlich. Kameramann Emo Weemhoff zeichnet ab der ersten Minute traumartige Bilder. Pastelltöne paaren sich mit grellen Neonfarben. Kadrierung innerhalb der Kadrierung selbst. Freier Raum, der mitunter dazu genutzt wird, der Welt in die sich Alma begibt, eine eigene Atmosphäre zu geben. Diese befindet sich zwar in Bosnien, jedoch in einem nahezu surrealistischen Bosnien. Ein Bosnien wie es auch Kubrick oder Lynch entwerfen würden. Während anfangs noch schnelle Schnitte dominieren, übernehmen statische Bilder in wunderlichen Winkeln irgendwann die Mise en Scène.

Alma ist ein Mädchen, das vor allem auf der Suche nach sich selbst ist. Sie befindet sich an der Schwelle ihres Lebens, an der sie nicht genau weiß, was ihre eigenen Ziele sind. Ziele, die nicht von der Gesellschaft oder ihrer Mutter diktiert werden. Der Film ist die klassische Kombination aus Coming-of-Age und Roadmovie. Die Dialoge werden auf ein Minimum reduziert, denn die Bilder erzählen für die Charaktere. Es könnte die direkte Autobiographie der Regisseurin sein, auch sie stammt aus Bosnien und lebt nun in den Niederlanden. Dies wirft jedoch die Frage auf, wieso sie es vermied, Almas Umstände zuhause mit denen in Bosnien zu kontrastieren. Darauf wurde nahezu gänzlich verzichtet, wobei sich das Trio dem wir folgen, perfekt dafür anbieten würde. All das würde jedoch das neugezeichnete Bild Bosniens zunichte machen und irgendwann ist es an der Zeit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine neue und vor allem eigene Geschichte zu schreiben.

Christoph Piening

 

[2] Auf der Flucht vor sich selbst

TAKE ME SOMEWHERE NICE ist ein Roadmovie, das fast alle typischen Fortbewegungsmittel des Genres aufweist: Flugzeug, Bus, Zug und Auto. Die Motivation der Protagonistin sich auf diese Reise zu begeben, ist die Suche nach ihrem Vater, die aber schnell beendet ist, da er vor ihrer Ankunft stirbt. Die Erlebnisse, die unterwegs in den Fortbewegungsmitteln passieren treiben die Handlung auch nicht voran.

Genau das spiegelt wiederum die Orientierungs-, Ziel- und Ratlosigkeit der Protagonistin Alma wider, die vor sich selbst zu flüchten scheint, auf der Suche nach etwas Besserem, nach “somewhere nice“, auch wenn Sie das nicht findet oder dort anzukommen scheint.

Dialoge, die diese Lücken füllen sollen, erinnern bei der Ausführung an eine Laientheateraufführung – zu lange Pausen, hölzernes Schauspiel, und selbst die Sexszenen machen es nicht spannender.

Almas Reise nach “somewhere nice“, die durch bosnische Landschaften führt, wird zu kurz gezeigt, die ein oder andere Schwenkbewegung der Kamera über die Bergszenerien oder das Meer hätten dem Film nicht geschadet bzw. das Motiv des Roadmovies und dessen Reiseeindrücke unterstützt.

Der Film ist dahingehend gelungen, dass man ihn als Manifestation von Almas Persönlichkeit verstehen kann: eine gelangweilte, junge Dame, die keine Ahnung davon hat, wer sie ist, was sie sucht und was sie möchte und versucht, dies durch so wenig Anstrengung wie möglich herauszufinden.

Barbara Asante

 

[3]  Zu eckig und flach zugleich.

Ungeöffnete Koffer, verpasste Busse und Sex mit dem Cousin – mal was Neues. Oder doch alles alt und bekannt? Mein Cousin heißt Emir und ist ein Idiot.

Ena Sendijarevic’s „Take Me Somewhere Nice“ spricht viele interessante Themen an. Die Inszenierung bietet an diversen Stellen geistige Einladungen zur eigenen Erkundung von Herkunft und dem Verfolgen von Wünschen. Einflüsse von Jarmusch und Kameraperspektiven, die im Arthauskino häufiger ihre Verwendung finden, sind hierbei jedoch häufig fast zu leicht zu erkennen.

Alma reist mit Ziel, aber ohne gradlinigen Kurs – fast wie „Take me somewhere nice“ selbst: Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Wahrscheinlich soll‘s aber auch irgendwie genau darum gehen. Rebellisch sein halt.

TAKE ME SOMEWHERE NICE hat Aufmerksamkeit verdient und ist keineswegs ein schlechter Film, nur bin ich mir auch nach zwei Tagen Grübeln nicht im Klaren darüber was mir viele Szenen sagen wollen. Im Gegensatz zu anderen experimentellen Filmen bin ich narrativ und visuell auch nicht so in den Bann gezogen, dass ich einen Reiz verspüre, einzelne Fäden weiter zu verfolgen. Zu eckig und flach zugleich.

Sendijarevic’s Blick auf die Welt und ihre Bezüge zu Migration zeigen jedoch viel Potential. Das geweckte Interesse an ihrem nächsten Projekt kann ich nicht verleugnen.

Allan Massie

 

[4]  Existenzenpuzzle

Die Existenz des Einzelnen setzt sich aus den Existenzen der Anderen zusammen.
Alle bestehen aus Puzzleteilen, oder aus Scherben. Auf dem Weg sammelt man sie auf und setzt sich selbst zusammen. Oft müssen die Teile genau betrachtet, genau beleuchtet, unter die Lupe genommen werden. Erst dann wird klar, ob das Teil zu einem selbst gehört, oder für jemand anderen auf dem Weg liegt. Man nimmt das Puzzlestück in die Hand und befühlt seine Kanten. Vielleicht hat es jemand hier verloren, oder hier abgelegt. Auf jeden Fall ist es nicht neu, aber auch noch nicht verbraucht. Es kann niemals verbraucht werden, sich höchstens abnutzen.
Nun muss die Scherbe eingesetzt werden, nah des Herzens oder nah des Verstands. Den Rücken stärken, oder unter die Arme greifen. Dort sitzt die Scherbe fest und hält das Gerüst. Oder sie sitzt locker und springt bei nächster Gelegenheit heraus. Sie wird nicht vermisst werden. Jemand anderem wird sie besser passen. Manchmal stört ein Puzzlestück. Zu gewollt wurde es in seinen Platz eingesetzt, verkantet steckt es dort und verbreitet Unwohlsein. Wäre es nicht da, stürzt man vielleicht ein. Aber es drückt und zieht. Die anderen können es nicht sehen. Die anderen suchen sich
das Lachen, das Weinen, die sanfte Berührung, den festen Händedruck aus. Das Stück nehmen sie mit, für sich selbst. Wenn sie es nicht mehr wollen nehmen sie es heraus und legen es ab. Manchmal geben sie es weiter. Manchmal lassen sie es fallen. Damit haben sie es vergessen. Vielleicht setzen sie es aber nur woanders wieder ein. In den Hinterkopf, ins Bauchgefühl…

(c) goEast Filmfestival 2019

EOhd0Smy

Filmkritik „Kiss the Cook“ (DVD)


Kiss the Cook“ zelebriert nicht das Essen selbst, sondern den Beruf des Kochs und das ist etwas, was es so eher selten zu sehen gibt. Klar, gibt es diverse Filme rund um das Thema Essen, die mal nahezu einem Essens-Porno gleichen („Das große Fressen“ – 1973) und dann wiederum einfach nur ein Metier bieten, um altbekannte Romanzen in einem neuen Gewand zu präsentieren („Rezept zum Verlieben“ – 2007).

Am ehesten käme vielleicht noch Pixars „Ratatouille“ an die Thematik von Jon Favreaus neustem Streifen heran: der Chef de la Cuisine und seine Leidenschaft zum Essen.

Küchenchef Casper Carl befindet sich in einer kreativen Sackgasse. Obwohl das Restaurant dank seiner Kochkünste boomt, erlaubt ihm Restaurantbesitzer Riva keine großen kulinarischen Neuerungen. Als dann noch sein ansonsten so beliebtes Menü von Food-Blogger Ramsey Michel in der Luft zerrissen wird, kommt es zum Eklat und Carl steht von einem Moment zum Anderen ohne Job da. Mit Hilfe seiner Exfrau startet er neu durch und begibt sich, begleitet von seinem Sohn und seinem engsten Freund, mit einem restaurierten Foodtruck auf eine kulinarische Reise quer durch die USA.

Deutscher Trailer zu „Kiss the Cook: So schmeckt das Leben“
[youtube]https://youtu.be/k-ZRd8GzG7w[/youtube]

Filmkritik „Kiss the Cook: So schmeckt das Leben“

Der Macher von „Iron Man“ und „Cowboys & Aliens“ kann auch anders, wie er immer wieder unter beweis stellt und das nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Mit „Kiss the Cook“ legt Multitalent Favreau ein kurzweiliges Filmvergnügen vor, dass sich irgendwo zwischen Großem Kino und kleinem Arthouse ansiedelt.
Wem die Liste an Stars noch nicht ausreicht, um diesem Film eine Chance zu geben, dem sei auf jeden Fall der Trailer ans Herz gelegt. Dieser ist in der Tat eine Art Miniversion des Films – ohne jegliche Art von leeren Versprechungen. Wer diesen also schon ansprechend findet, kann beruhigt zur DVD oder Blu-ray greifen und sich auf 114 Minuten sanfte Unterhaltung freuen.

Jon Favreau, der hier als Multitalent dient und nicht nur die Hauptrolle übernommen hat, sondern auch Regie führte und Drehbuch schrieb, inszeniert sich selbst, als wäre es für ihn ein schon lange gehegter Traum, in die Rolle des Carl Casper zu schlüpfen. Begleitet von cubanischen Klängen,dem locker leichten Flair amerikanischer Südstaaten, einer angenehmen Brise Humor, viel Gefühl und unglaublich viel Liebe zu den unterschiedlichen Esskulturen, begleiten wir den Starkoch auf seiner Selbstfindungsreise.
Das Ganze hätte theoretisch auch melancholisch werden und in einer Art motorisiertes „Into The Wild“ enden können, doch weit gefehlt.

Einziges, aber leider recht ausschlaggebendes, Manko an der gesamten Produktion ist, dass es selbst für ein Feel-Good-Movie alles zu glatt läuft. Erreicht Favreaus „Kiss the Cook“ zeitweise sogar eine Stimmung, die an eine Auto-Biografie erinnert und uns als Zuschauer glauben machen möchte, dass es dort draußen tatsächlich einen Casper Carl gibt, wird dies mit dem steten Blick durch die rosa-rote Brille souverän über den Haufen geworfen. Das ganze gipfelt in einem Hollywood-Ende wie aus dem Lehrbuch.

Neben Favreaus überzeugendem Auftritt und John Leguizamos solider Nebenrollenperformance, sind es vor allem die Gastauftritte von Dustin Hoffman, Robert Downey Jr und Oliver Platt, die immer wieder für frischen Wind sorgen und das Sahnehäubchen auf diesem filmischen Erguss bilden. Da können auch die beiden als Augenschmaus gecasteten Hollywoodschönheiten Sofía Vergara und Scarlett Johansson kaum mithalten.

Ich hätte für „Kiss the Cook“ am liebsten noch mehr Punkte vergeben, kann aber nicht über die aalglatte Storyline hinwegsehen und bekomme beim Gedanken an das Ende schon wieder chronisches „Facepalm“-Kopfschütteln. Daher ein vielleicht etwas radikal wirkender Punkteabzug, aber dennoch eine Filmempfehlung auf ganzer Linie.

Kiss The Cook

EOhd0Smy

Filmkritik: „Christopher Robin“ von Marc Forster

Im Hundertmorgenwald herrscht Aufruhe. Christopher Robin, der gemeinsam mit seinen Freunden Winnie Puuh, I-Ah, Tigger und Co. schon viele Abenteuer erlebte, ist bereit Abschied zu nehmen. Es wird Zeit erwachsen zu werden und die fantasievolle Welt des Hundertmorgenwalds zumindest ein Stück weit hinter sich zu lassen. Viele Jahre später ist aus dem jungen Christopher Robin ein erwachsener Mann mit erwachsenen Problemen geworden. Der Job quält ihn und für seine Familie findet er kaum noch Zeit. In dem Moment, in dem alles trist und aussichtlos erscheint, steht plötzlich ein alter Freund vor der Tür.
Die beliebten Geschichten rund um den „silly old bear“ Winnie the Puuh aus der Feder von Alan Alexander Milne begeistern schon seit Anfang der 1930er Jahre groß und klein. Im Jahr 1966 erschien, nachdem Disney die Markenrechte wenige Jahre früher erwarb, der erste animierte Kurzfilm mit dem Bären in der Hauptrolle. Es folgten einige weitere Zeichentrickabenteuer, bevor Regisseur Marc Forster („World War Z“) nun mit der schlicht „Christopher Robin“ betitelten Adaption den ersten Ausflug in Live Action-Film Gefilde auf die Leinwände bringt.
Puuh und seine Freunde begleiten Christopher Robin, gespielt von einem gefährlich nahe am Overacting agierenden Ewan McGregor („Trainspotting“), als hervorragend animierte Stofftiere, mitsamt sichtbaren Nähten und Fusseln. So charismatisch und zuweilen auch wirklich witzig die Stofffreunde aber auch sein mögen – verbunden mit den ohnehin schon recht farblos und oft überraschend düster komponierten Bildern, ergibt sich daraus eine nur schwer greifbare Welt, die dem Zuschauer die Immersion unnötig schwierig macht.
Wenn man nun schon vom Zuschauer spricht, muss man sich folgerichtig auch die Frage nach der passenden Zielgruppe stellen. Das der Film „Christopher Robin“ und nicht etwa „Winnie Puuh und…“ heißt, suggeriert im Grunde schon, dass es eben nicht die fantasievollen Bewohner des Hundertmorgenwalds sind, die hier im Vordergrund stehen, sondern der jetzt erwachsen gewordene Christopher Robin. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist also sein heutiges Leben mitsamt stressiger Arbeit und mangelnder Zeit für die Familie. Regisseur Forster erzählt hier im Grunde eine altbekannte Parabel vom erwachsen werden, vom Verlust der Fantasie und dem zurücklassen des eigenen inneren Kindes. Das ist für junge Zuschauer wenig verständlich und für die älteren wenig spannend, da dieser bekannten Formel schlicht nichts neues hinzugefügt wird.
Insgesamt präsentiert sich der Film über den Großteil seiner Laufzeit also recht träge und ohne zu wissen, was er denn nun eigentlich sein will, bevor das letzte Drittel den Kitsch und Märchen Aspekt dann wieder in typischer Disney-Manier arg in die Höhe treibt.
Ein schlechter Film ist „Christopher Robin“ trotzdem nicht. Auch wenn man sich bei der Handlung, gerade im Hinblick auf die Vorlage, mehr Kreativität hätte wünschen können und die gesamte Optik des Films zu nah am düsteren Realismus bleibt, so ist es doch eine Freude, die bunte Hundertmorgenwald-Truppe aus eigenen Kindheitstagen auf der Leinwand zu sehen. Auch wenn der Zuschauer nicht genug involviert, nicht wirklich mitgerissen wird, die ein oder andere emotionale Zuspitzung erfüllt dennoch ihren Zweck und rettet „Christopher Robin“ vor schlimmerem.
Filmkritik: „Christopher Robin“ von Marc Forster
EOhd0Smy

HEAVY TRIP

Seit 12 Jahren spielen Turo (Johannes Holopainen, „Der unbekannte Soldat“), Lotvonen (Samuli Jaskio), Jynkky (Antti Heikkinen) und Pasi (Max Ovaska, TV-Serie „Nymphs“) zusammen in ihrer eigenen, immer noch namenlosen Heavy Metal-Coverband – nun fragen sie sich, ob sie vielleicht irgendwann einmal öffentlich auftreten sollten anstatt immer nur zu üben. Das könnte auch ihrem Image helfen, denn in ihrem finnischen Heimatort Taivalkoski gelten die vier jungen Männer als merkwürdige Verlierer und werden bestenfalls mitleidig betrachtet, schlimmstenfalls verspottet. Als die Band zufällig Frank (Rune Temte, TV-Serie „Fortitude“), den Organisator des norwegischen Heavy Metal-Festivals „Northern Damnation“, trifft und ihm ein Demoband ihres ersten eigenen Songs mitgebt, könnte sich ihr Traum erfüllen. Da Leadsänger Turo vor seiner schönen früheren Schulkameradin Miia (Minka Kuustonen, „Das Mädchen und der Rapper“) etwas angibt, macht im Dorf in Windeseile die Runde, daß der Auftritt bereits feststehe – und schon werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung von Losern zu Helden. Nur der schleimige Schlagersänger Jouni (Ville Tiihonen, TV-Serie „Black Widows“), der selbst hinter Miia her ist, ist wenig begeistert von der unerwarteten Konkurrenz. Doch noch wartet Turo auf die Zusage, daß sie tatsächlich in Norwegen auftreten dürfen …


Kritik:
Die heiter-skurrile Musikkomödie „Heavy Trip“ ist das Langfilm-Regiedebüt des finnischen Duos Juuso Laatio und Jukka Vidgren, das sich seine Sporen mit der Inszenierung von Musikvideos verdiente. Die beiden bleiben also bei dem, womit sie sich auskennen, und das Resultat ihrer Bemühungen zeigt, daß das eine gute Entscheidung war. Ich persönlich kann im Normalfall nicht allzu viel mit Heavy Metal anfangen. Zwar ziehe ich ihn definitiv deutschen Schlagern, Countrymusik oder Gangsta-Rap vor; speziell jenen Vertretern, die ihre Songtexte vorwiegend brüllen statt singen, kann ich jedoch wenig abgewinnen. So gesehen schlechte Vorzeichen, denn genau diese Art von Band steht im Zentrum von „Heavy Trip“. Genau genommen ihre Musik übrigens „Symphonic Post-Apocalyptic Reindeer-Grinding Christ-Abusing Extreme War Pagan Fennoscandian Metal“ – behauptet zumindest Pasi, der noch ein wenig schräger als seine Bandkollegen ist und sich an jeden Song erinnert, den er je gehört hat (was im Laufe des Films einige Lacher nach sich zieht). Und obwohl ich also wirklich kein Heavy Metal-Fan bin, hat mir „Heavy Trip“ gut gefallen – sogar mit der Musik konnte ich mich anfreunden, lediglich auf Turos Gebrülle hätte ich gerne verzichtet. Für Metal-Fans dürfte „Heavy Trip“ hingegen ein absolutes Fest sein.

In der ersten Stunde ist der mit 90 Minuten recht kurz gehaltene „Heavy Trip“ eine nette, recht alberne, aber sympathische Musikkomödie, die weitgehend dem altbekannten Genreschema folgt, das man aus Werken wie „This Is Spinal Tap“, „School of Rock“, „The Commitments“, „Dreamgirls“ oder dem Über-Klassiker „Blues Brothers“ kennt. Passend zur Metal-Thematik ist der Humor etwas derber und brachialer, aber im Kern geht es einmal mehr um eine Amateur-Band, die diverse Hindernisse auf dem Weg zu ihrem ersten Konzert überwinden muß. Das wird wenig originell, aber sehr amüsant erzählt, wobei die schrulligen Dorfbewohner ebenso für humoristische Einlagen sorgen wie Sänger-Antagonist Jouni und natürlich die enthusiastische, aber stets etwas überfordert wirkende Band selbst. Manche Gags sind richtig gut (das Blitzer-Promofoto), andere arg offensichtlich (die Rentierblut-Dusche), aber im Großen und Ganzen gibt es nicht viel zu bemängeln. Jedoch gleichzeitig auch nicht viel, das man wirklich bejubeln könnte, zumal die Vorbereitungen auf den Trip nach Norwegen sich etwas sehr in die Länge ziehen und ein paar relativ unnötige Storyschlenker mit sich bringen, wenn das Privat- und Arbeitsleben der Freunde näher beleuchtet wird. Es ist zwar nett, ein bißchen mehr über die Protagonisten zu erfahren, aber letztlich wirken diese Szenen eher alibihaft.

Von einem soliden zu einem richtig guten Film wird „Heavy Trip“ dank seines letzten Akts. Als der titelgebende Trip nach Norwegen nämlich endlich startet, zeigt sich, daß die vier Drehbuch-Autoren sich das mit Abstand Beste bis zum Schluß aufgehoben haben. Anders formuliert: In den letzten 30 Minuten dreht „Heavy Trip“ so dermaßen am Rad, daß es für alle Freunde des Abseitigen und Skurrilen eine wahre Freude ist! Die Inspiration durch „Blues Brothers“ ist in dieser Phase besonders offensichtlich, was wohlgemerkt keinesfalls kritisch gemeint ist – ein besseres Vorbild kann sich eine Musikkomödie schließlich kaum nehmen und „Heavy Trip“ wird ihm durch eine temporeiche Abfolge hemmungslos schwarzhumoriger, skurriler, an Monty Python ebenso wie an Christophers Smiths ähnlich durchgeknallte Horrorkomödie „Severance“ erinnernder Geschehnisse und Begegnungen absolut gerecht. Angesichts der relativ zahmen und gemächlichen ersten Stunde kommt man als Zuschauer nicht mehr aus dem Staunen heraus, welch aberwitzige, ausnahmslos ins Schwarze treffende Einfälle und Wendungen von einer Begegnung mit Wikingern bis hin zu einem explosiven internationalen Grenzzwischenfall man nun quasi im Minutentakt vorgesetzt bekommt, sodaß man kaum noch zum Durchatmen kommt. Und doch verliert „Heavy Trip“ bei diesem wahnwitzigen Gagfeuerwerk nie sein Herz, denn bei allem Spektakel geht es immer noch um ein paar von ihren Darstellern sicher nicht preisverdächtig, aber dafür sehr einnehmend verkörperten Freunde, die sich ihren großen Traum verwirklichen wollen. Einfach nur sympathisch.

Fazit: „Heavy Trip“ ist eine schwarzhumorige, jederzeit sympathische finnische Heavy Metal-Komödie, die erzählerisch relativ zahm und gemächlich beginnt, sich im letzten Drittel aber zu einem aberwitzigen Partyfilm á la „Blues Brothers“ entwickelt, der einfach nur Spaß macht!
EOhd0Smy

The Lion King May Set New Disney Remake Box Office Record

The Lion King is poised to set a new box office record for Disney’s remakes during its opening weekend. Over the last handful of years, the Mouse House has raked in the cash thanks to their bevy of lucrative subsidiaries, including Marvel, Lucasfilm, and Pixar. But of course, they didn’t stop there and found another gold mine by producing re-imaginings of some of their animated classics. This enterprise has proven to be largely successful, most recently with Aladdin grossing more than $900 million worldwide. Up next is The Lion King.

Arguably the high point of Disney’s 1990s renaissance, The Lion King remains one of the most beloved animated films of all-time 25 years after its release. That’s why it was only a matter of time before Disney gave it the remake treatment. Utilizing groundbreaking visual effects technology, director Jon Favreau and company have pushed the envelope, and there’s been strong Lion King hype ever since the first teaser trailer debuted last year. Now that the film is entering theaters, it’s expected to be a monumental draw.

According to Box Office ProThe Lion King is projected to earn roughly $185 million domestically in its first three days. This is in the ballpark of the initial estimates from back in May, which had a range of $180-230 million. The Lion King looks like it will have the biggest opening weekend of Disney’s recent remakes, beating out Beauty and the Beast’s $174 million.

Fortunately for Disney, it appears The Lion King is critic-proof. Like many of the other Disney remakes, the new take on The Lion King received mixed reviews. Just about everyone is in agreement that it’s an astonishing technical achievement, but felt it was a by-the-numbers rehash that lacked the heart and emotion of the original (due in part to the photorealistic animals being less expressive than their animated counterparts). Sometimes, word-of-mouth can impact a film’s box office prospects, but that isn’t the case here. The Lion Kingis too big of a property to fail, and it’s going to be one of the biggest hits of the year. Disney already has the top 3 movies of 2019, and they may have the top 4 by the time The Lion King is out of theaters.

The Lion King also seems set to have a long, fruitful run and won’t be facing much direct competition the first couple of weeks it’s out. Spider-Man: Far From Home has already been out for more than two weeks and has done a majority of its damage by now, and there aren’t any other franchise tentpoles until Hobbs & Shaw in early August. Quentin Tarantino’s Once Upon a Time in Hollywood is a highly-anticipated offering, but its target demographic is obviously very different from the family-friendly audience Disney is going for with The Lion King. As has been the case recently, there’s no slowing down Disney as they produce hit after hit.


EOhd0Smy

„Robin Hood“ Kritik: Action-Update der Sage ist ein Fehlschuss

Das Amüsanteste an Otto Bathursts Spielfilmdebüt ist noch, dass der einfallslose, einzig auf Kasseneinnahmen abzielende Abklatsch von Verfilmungen, die ihrerseits bereits phantasiearme kommerzorientierte Derivate waren, sich als revolutionär sozialistisches Update des Urstoffs ausgibt. Leider ersticken Selbstverliebtheit und Dummdreistigkeit die inhärente Ironie einer Produktion, die sämtliche ihrer ach so originellen Umformungen der legendären Diebesgeschichte aus diversen Ecken der Pop-Kultur zusammenklaut. Doch Selbsteinsicht fehlt dem konfusen Mix aus Teenie-Abenteuer und CGI-Blockbuster genauso wie eine schlüssige Handlung, Spannung und Humor. Zweiter manifestiert sich bestenfalls unabsichtlich.
Etwa, wenn Taron Egerton in Kostümen wie aus Assassins Creed ein Worst-of abgenutzter Actionfilm-Phrasen abspult oder Kampfszenen eine holprige Montage vorhersehbarer Stunts abliefern. Kein Detail wirkt originär in der artifiziellen Szenerie, deren entsättigte Farben und semi-futuristische Kulissen sind ein grotesker Superlativ der Optik von King Arthur: Legend of the Sword. Wer bei Guy Ritchie abguckt muss verdammt mies dran sein. Das ist der TV-Regisseur mit einem Drehbuch, das desaströs an der kalkulierten Einbindung relevanter Themen wie Antiislamismus, Kirchenkorruption und Kriegsprofitablität scheitert.
Marian (Eve Hewson) ist als einzige Protagonistin die aufreizende Karikatur einer selbstbestimmten Frau. Obwohl sie und Bruder Tuck (Tim Minchin) seit Langem Widerstand schüren, kann der Aufstand nicht losgehen, bis ein schneidiger Kapuzen-Typ Anführer spielt. Missbrauch durch Kirchenvertreter macht den Sheriff (Ben Mendelsohn) laut Filmlogik zum Sadisten und liefert lediglich homophoben Spott seitens Robin. Der maskierte Rächer findet in Little John (Jamie Foxx) seinen Magical Negro und erfüllt brav seine generische Origin-Story. Da fehlt am Ende nur noch Bryan Adams’ „Everything I do“.
„Robin Hood“ Kritik: Action-Update der Sage ist ein Fehlschuss
EOhd0Smy

HEAVY TRIP

Seit 12 Jahren spielen Turo (Johannes Holopainen, „Der unbekannte Soldat“), Lotvonen (Samuli Jaskio), Jynkky (Antti Heikkinen) und Pasi (Max Ovaska, TV-Serie „Nymphs“) zusammen in ihrer eigenen, immer noch namenlosen Heavy Metal-Coverband – nun fragen sie sich, ob sie vielleicht irgendwann einmal öffentlich auftreten sollten anstatt immer nur zu üben. Das könnte auch ihrem Image helfen, denn in ihrem finnischen Heimatort Taivalkoski gelten die vier jungen Männer als merkwürdige Verlierer und werden bestenfalls mitleidig betrachtet, schlimmstenfalls verspottet. Als die Band zufällig Frank (Rune Temte, TV-Serie „Fortitude“), den Organisator des norwegischen Heavy Metal-Festivals „Northern Damnation“, trifft und ihm ein Demoband ihres ersten eigenen Songs mitgebt, könnte sich ihr Traum erfüllen. Da Leadsänger Turo vor seiner schönen früheren Schulkameradin Miia (Minka Kuustonen, „Das Mädchen und der Rapper“) etwas angibt, macht im Dorf in Windeseile die Runde, daß der Auftritt bereits feststehe – und schon werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung von Losern zu Helden. Nur der schleimige Schlagersänger Jouni (Ville Tiihonen, TV-Serie „Black Widows“), der selbst hinter Miia her ist, ist wenig begeistert von der unerwarteten Konkurrenz. Doch noch wartet Turo auf die Zusage, daß sie tatsächlich in Norwegen auftreten dürfen …


Kritik:
Die heiter-skurrile Musikkomödie „Heavy Trip“ ist das Langfilm-Regiedebüt des finnischen Duos Juuso Laatio und Jukka Vidgren, das sich seine Sporen mit der Inszenierung von Musikvideos verdiente. Die beiden bleiben also bei dem, womit sie sich auskennen, und das Resultat ihrer Bemühungen zeigt, daß das eine gute Entscheidung war. Ich persönlich kann im Normalfall nicht allzu viel mit Heavy Metal anfangen. Zwar ziehe ich ihn definitiv deutschen Schlagern, Countrymusik oder Gangsta-Rap vor; speziell jenen Vertretern, die ihre Songtexte vorwiegend brüllen statt singen, kann ich jedoch wenig abgewinnen. So gesehen schlechte Vorzeichen, denn genau diese Art von Band steht im Zentrum von „Heavy Trip“. Genau genommen ihre Musik übrigens „Symphonic Post-Apocalyptic Reindeer-Grinding Christ-Abusing Extreme War Pagan Fennoscandian Metal“ – behauptet zumindest Pasi, der noch ein wenig schräger als seine Bandkollegen ist und sich an jeden Song erinnert, den er je gehört hat (was im Laufe des Films einige Lacher nach sich zieht). Und obwohl ich also wirklich kein Heavy Metal-Fan bin, hat mir „Heavy Trip“ gut gefallen – sogar mit der Musik konnte ich mich anfreunden, lediglich auf Turos Gebrülle hätte ich gerne verzichtet. Für Metal-Fans dürfte „Heavy Trip“ hingegen ein absolutes Fest sein.

In der ersten Stunde ist der mit 90 Minuten recht kurz gehaltene „Heavy Trip“ eine nette, recht alberne, aber sympathische Musikkomödie, die weitgehend dem altbekannten Genreschema folgt, das man aus Werken wie „This Is Spinal Tap“, „School of Rock“, „The Commitments“, „Dreamgirls“ oder dem Über-Klassiker „Blues Brothers“ kennt. Passend zur Metal-Thematik ist der Humor etwas derber und brachialer, aber im Kern geht es einmal mehr um eine Amateur-Band, die diverse Hindernisse auf dem Weg zu ihrem ersten Konzert überwinden muß. Das wird wenig originell, aber sehr amüsant erzählt, wobei die schrulligen Dorfbewohner ebenso für humoristische Einlagen sorgen wie Sänger-Antagonist Jouni und natürlich die enthusiastische, aber stets etwas überfordert wirkende Band selbst. Manche Gags sind richtig gut (das Blitzer-Promofoto), andere arg offensichtlich (die Rentierblut-Dusche), aber im Großen und Ganzen gibt es nicht viel zu bemängeln. Jedoch gleichzeitig auch nicht viel, das man wirklich bejubeln könnte, zumal die Vorbereitungen auf den Trip nach Norwegen sich etwas sehr in die Länge ziehen und ein paar relativ unnötige Storyschlenker mit sich bringen, wenn das Privat- und Arbeitsleben der Freunde näher beleuchtet wird. Es ist zwar nett, ein bißchen mehr über die Protagonisten zu erfahren, aber letztlich wirken diese Szenen eher alibihaft.

Von einem soliden zu einem richtig guten Film wird „Heavy Trip“ dank seines letzten Akts. Als der titelgebende Trip nach Norwegen nämlich endlich startet, zeigt sich, daß die vier Drehbuch-Autoren sich das mit Abstand Beste bis zum Schluß aufgehoben haben. Anders formuliert: In den letzten 30 Minuten dreht „Heavy Trip“ so dermaßen am Rad, daß es für alle Freunde des Abseitigen und Skurrilen eine wahre Freude ist! Die Inspiration durch „Blues Brothers“ ist in dieser Phase besonders offensichtlich, was wohlgemerkt keinesfalls kritisch gemeint ist – ein besseres Vorbild kann sich eine Musikkomödie schließlich kaum nehmen und „Heavy Trip“ wird ihm durch eine temporeiche Abfolge hemmungslos schwarzhumoriger, skurriler, an Monty Python ebenso wie an Christophers Smiths ähnlich durchgeknallte Horrorkomödie „Severance“ erinnernder Geschehnisse und Begegnungen absolut gerecht. Angesichts der relativ zahmen und gemächlichen ersten Stunde kommt man als Zuschauer nicht mehr aus dem Staunen heraus, welch aberwitzige, ausnahmslos ins Schwarze treffende Einfälle und Wendungen von einer Begegnung mit Wikingern bis hin zu einem explosiven internationalen Grenzzwischenfall man nun quasi im Minutentakt vorgesetzt bekommt, sodaß man kaum noch zum Durchatmen kommt. Und doch verliert „Heavy Trip“ bei diesem wahnwitzigen Gagfeuerwerk nie sein Herz, denn bei allem Spektakel geht es immer noch um ein paar von ihren Darstellern sicher nicht preisverdächtig, aber dafür sehr einnehmend verkörperten Freunde, die sich ihren großen Traum verwirklichen wollen. Einfach nur sympathisch.

Fazit: „Heavy Trip“ ist eine schwarzhumorige, jederzeit sympathische finnische Heavy Metal-Komödie, die erzählerisch relativ zahm und gemächlich beginnt, sich im letzten Drittel aber zu einem aberwitzigen Partyfilm á la „Blues Brothers“ entwickelt, der einfach nur Spaß macht!
EOhd0Smy

Hallo Welt!

Willkommen bei WordPress. Dies ist dein erster Beitrag. Bearbeite oder lösche ihn und beginne mit dem Schreiben!

EOhd0Smy